Das ADFC-VVS-Faltrad im Selbsttest

Geschrieben von am 9. Juni 2013 | Abgelegt unter Aktuelles Region, Aktuelles Remseck

Seit Kurzem besitze ich das ADFC-VVS-Faltrad (Tern Link D7i) und nutze es bei gutem Wetter für meinen Weg zur Arbeitsstätte. Das Rad kann ich sehr empfehlen, denn mit sieben Gängen hat es auch bei 20-Zoll-Rädern ein ausgezeichnetes Fahrverhalten. Die sechs Faltvorgänge hat man schnell automatisiert und das Zusammen- oder Auseinanderfalten in zehn Sekunden erledigt. Schutzbleche, Kettenschutz und Gepäckträger sind wertvolle Ausstattungen, denn ich bin in Arbeitskleidung und mit einem voll bepackten Pilotenkoffer unterwegs.

Nur das Einpacken in die Schutzhülle empfinde ich als umständlich. Außerdem ist das Tragen über die Schulter von 14,4 kg in den Maßen 38 x 79 x 72 cm doch langfristig anstrengend, zumal ich noch einen Koffer zu schleppen habe. Als hilfreicher Trick hat sich das Rollen des zusammengefalteten Rades auf dem Vorderrad herausgestellt. Hierzu fährt man einfach die Sattelstange nicht vollständig ein, nutzt den Sattel als Griff und rollt dann das Rad.

Unterschiedliche Auskünfte habe ich erhalten, in welchem Zustand ich das Rad während der Sperrzeiten der Stadtbahn (6-8.30 und 16-18.30 Uhr) mitführen darf: Gilt es nur in der Hülle als Gepäckstück? Ist die 20-Zoll-Radgröße das Kriterium oder der gefaltete Zustand? Letzteres ist entscheidend, wie man der VVS-Page entnehmen kann: Falträder „gelten in zusammengefaltetem … Zustand als Gepäck. Am besten in einer Schutzhülle verpackt – zum Schutz von Mitreisenden – können diese dann grundsätzlich zu allen Zeiten kostenlos in allen Bussen und Bahnen des VVS mitgenommen werden. Im Einzelfall entscheidet das Betriebspersonal.“ Bisher war das Betriebspersonal sehr freundlich zu mir.

Ich wohne in Remseck-Hochberg und fahre seit 2006 an Arbeitstagen täglich mit dem Pkw zum P+R-Parkplatz Hornbach, um von dort mit der Stadtbahnlinie U14 zum Hauptbahnhof zu fahren. Dort steige ich in die U7 Richtung Ostfildern um. Die Stadtbahnhaltestelle Waldau / Gazi-Stadion ist drei Minuten Fußweg von meiner Arbeitsstätte, der Waldschule Degerloch, entfernt. Für die Strecke brauche ich: 15 Minuten Pkw-Anfahrt, 24 Minuten U14, 11 Minuten Umsteige- und Wartezeit im Hauptbahnhof, 9 Minuten U7, 3 Minuten Fußweg – insgesamt 62 Minuten. Mit dem Faltrad benötige ich für die Strecke Remseck-Hochberg bis zur Haltestelle Charlottenplatz in Stuttgart 65 Minuten. Mit ca. 5 Minuten Umsteigezeit, 6 Minuten Fahrzeit U7 und 3 Minuten Fußweg sind das 79 Minuten.

Diese 14 Minuten, die ich früher aufstehen muss, sind es wert: Die Fahrstrecke am Neckar entlang und durch den Schlossgarten ist wunderschön und fast kreuzungsfrei. Spielt einem das Wetter einen Streich oder ist das Zeitbudget beschränkt, kann man jederzeit in eine U14 Haltestelle am Weg einsteigen. Der Rückweg ab 20 Uhr kann sogar zeitverkürzend sein: U7 und U14 fahren dann nur noch im 15 Minuten Takt. Auch beim Heruntersausen direkt von Degerloch zum Schlossgarten hat man ein absolut sicheres Fahrgefühl trotz kleiner Räder und erreicht die U14 z.B. an der Haltestelle Rosensteinbrücke.

Die tägliche Radtour nach oder von Stuttgart hält fit, kann aber auch nur auf die 5,8 km von Remseck-Hochberg zur Endhaltestelle der U14 in Neckargröningen verkürzt werden. Jeder Faltradtag, der den Pkw ruhen lässt, erwirtschaftet 2,32 € (bei 20 Cent/km Betriebskosten beim Auto). Das Faltrad hat stolze 799 € gekostet. In 345 Tagen oder geschätzten fünf Nutzungsjahren nur auf dieser Strecke hat es sich amortisiert.

Meine Kaufmotivation war aber keine finanzielle: Das Rad hält mich fit. Nach über 30 Jahren Langlauf zwingen mich die Achillessehnen auf eine andere Ausdauersportart. Außerdem nervt mich das politische Ausspielen der Verkehrsmittel gegeneinander. Weder Autofetischismus noch Radfahrkult allein bringen uns weiter, sondern nur das Zusammenspiel aller Verkehrsmittel. Die Staustadt Remseck ist da ein gutes Beispiel: Bis zu 18 Prozent der den Neckar passierenden Fahrzeuge sind Lkw. Deren zwischen den Wirtschaftsräumen Ludwigsburg und Waiblingen transportierten Güter lassen sich aber weder auf die Stadtbahn noch auf das Fahrrad verlagern. Auch haben nicht viele so schöne und flache Wege zur Arbeit wie ich. Der Umstieg vom Pkw aufs Fahrrad ist zwar begrüßenswert, wird aber sicher kein Massenphänomen sein. Die sinnvolle Gestaltung, Verknüpfung und der Ausbau aller Verkehrswege ist daher der richtige Weg. Und so radle ich täglich am „Landungsbrücke“ genannten Brückenfragment auf Fellbacher Gemarkung vorbei und freue mich auf den Tag, wenn an dieser Stelle endlich eine richtige Brücke Remseck vom Verkehr entlastet. Straße, Schiene, Rad- und Fußwege zusammen machen das Verkehrsnetz der Zukunft aus.

 

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