Brüning-Politik in Remseck?

Geschrieben von am 28. April 2013 | Abgelegt unter Aktuelles Remseck

1930 bis 1932 hat Reichskanzler Heinrich Brüning die Not in der Weltwirtschaftskrise durch eine radikale Sparpolitik massiv verschärft und die Krise zugespitzt. Heute schüttelt man nach volkswirtschaftlichen Erkenntnisfortschritten den Kopf und übersieht gerne, dass Brünings politisches Ziel die Aufhebung der Reparationen war. Er wollte Franzosen und Briten zeigen, dass Deutschland zahlungsunfähig ist. Dies ist ihm bei beträchtlichen Kollateralschäden gelungen. Die Lorbeeren haben allerdings seine Nachfolger geerntet (mehr hier).

Auch in Remseck wird von vielen Leidtragenden der Staus an der Neckarbrücke zurzeit vermutet, dass die Stadt eine Art Brüning-Politik in Verkehrsfragen betreiben würde. Die Aldinger Neckarstraße ist wegen Straßenbauarbeiten gesperrt, ebenso die Schleusenbrücke ins Gewerbegebiet am Neckar. Die Folge ist, dass die Fahrer, die sonst dem Stau auf der Aldingen umfahrenden Neckartalstraße durch Nutzung der Ortsdurchfahrt ausweichen, dies jetzt nicht mehr können. Auch die verbotswidrige Nutzung der Schleusenbrücke durch Waiblinger und Fellbacher, um dem Stau zu entgehen, ist unterbunden. Die Fahrzeuge müssen nun die Straßen nutzen, die für sie vorgesehen sind und die Folge ist ein Komplettkollaps des Verkehrs. Deutlicher kann kaum werden, dass Remseck eine weitere Neckarquerung braucht und dass die Absicht des Landesverkehrsministers, den so genannten Nord-Ost-Ring ersatzlos aus dem Bundesverkehrswegeplan zu nehmen, der glatte Verkehrswahnsinn ist (siehe hierzu meinen Kommentar „Ein Kuckucksei für Remseck“).

Dass der Verkehrsinfarkt durch Remseck bewusst herbeigeführt wird, ist jedoch falsch. Die Stadtverwaltung hat ausführlich dargestellt, warum während der Bauarbeiten die Schleusenbrücke ihrer Meinung nach gesperrt (sonst Überlastung der innerörtlichen Umleitungsstrecke) und warum die Neckarstraße in Aldingen so lange geschlossen werden muss (nicht nur Neugestaltung der Straßenoberfläche sondern auch Erneuerung von Leitungsinfrastruktur unter der Straße). Der Landesverkehrsminister soll aber ruhig einen Geschmack davon bekommen, was passiert, wenn Remseck zu einer Brüning-Politik in Verkehrsfragen übergehen würde.

 

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