Alles fließt – nur bei den Biologen im Landratsamt nicht

Geschrieben von am 6. Oktober 2012 | Abgelegt unter Aktuelles Remseck

Im Juli 2010 wurde die Stahlplastik „Alles“ des Künstlers Rolf Kurz in die Rems gestellt. Diese Kunstinstallation an der Remsmündung spielte auf die Worte „Alles fließt“ von Heraklit an: Der griechische Philosoph wollte damit sagen, dass das Leben beständiger Wandel ist und nur Veränderung das Leben am Leben hält. Zwei Jahre später muss das Kunstwerk wohl als Zeichen für die Biologen im Landratsamt Ludwigsburg gewertet werden: 200 Meter unterhalb der damaligen Installation möchte die Stadt Remseck nämlich das Neckarufer aufwerten und für die Bevölkerung durch einen Sandstrand erlebbar machen. Das ganze im Rahmen des Landschaftsparks der Region Stuttgart, gefördert durch EU-Gelder zur Aufwertung von Flussufern und geplant für die Gartenschau 2019 im Remstal. Die Biologen im Landratsamt haben in dem verwilderten Uferbereich, wo vor ein paar Jahrzehnten noch kommerziell Sand abgebaut wurde, nun Juchtenkäfer, Haselmaus, Feuerfalter, Neuntöter und Nachtkerzenschwärmer lokalisiert und ihr Veto eingelegt. Diese geschützten Kleintiere machen dem Remsecker Projekt in der geplanten Dimension einen Strich durch die Rechnung.

Dass diese Kleintiere auch erst vor Kurzem dort „eingewandert“ sind, nachdem der Sandabbau eingestellt wurde und der Bereich verwilderte, interessiert nicht. Der Zugriffszeitpunkt der Biologen im Rahmen der Umweltprüfung ist der einzig „richtige“ Zeitschnitt, der den Wandel in der Natur anhalten soll. Dass in der Natur sich ständig die Flora und Fauna ändert und so gut wie keine Tier- und Pflanzenart „schon immer“ hier war, wird nicht nur ignoriert sondern sogar negiert: Es wird so getan, als könne und müsse der aktuelle Lebensraum der Kleintiere auf ewig konserviert werden. Dass ausgerechnet Biologen Grundprinzipien der Natur missachten, ist schon bemerkenswert. Gut dass die Dynamikhasser vor Jahrzehnten hier noch nicht aktiv waren: Damals nutzen sicher Wasservögel und Reptilien das Sandabbaugebiet als Lebensraum. Die Bio-Truppe hätte den Einzug des Juchtenkäfers unmöglich gemacht.

 

3 Kommentare zu “Alles fließt – nur bei den Biologen im Landratsamt nicht”

  1. am 6. Oktober 2012 um 19:03 1.Kai Buschmann schrieb …

    Hier der bericht der Stuttgarter Nachrichten zum Thema:
    http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.am-remsecker-hechtkopf-juchtenkaefer-frisst-ein-stueck-sandstrand.0671b9c5-e82c-421a-a5b4-fcadcacc360b.html

  2. am 29. Oktober 2012 um 8:20 2.Kai Buschmann schrieb …

    Inzwischen wurde ein Kompromiss erzielt:

    http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.remseck-kompromiss-zwischen-natur-und-strand.98841b6a-b0f0-4e7f-a91f-a20dad392060.html

    Die vermuteten Kleintiere wurden übrigens bis jetzt vor Ort nicht nachgewiesen!!

  3. am 20. April 2013 um 14:52 3.Kai Buschmann » Sandufer – ecological correct schrieb …

    […] Erst machte der nicht aufgefundene Juchtenkäfer seine Schwierigkeiten bei der Genehmigung (siehe „Alles fließt – nur bei den Biologen im Landratsamt nicht“), jetzt verteuern vor allem durch Naturschutzauflagen erzwungene Nachpflanzungen das Projekt um […]

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