Kunscht ond Grumbiera

Geschrieben von am 23. Dezember 2009 | Abgelegt unter Aktuelles Region

Schlange

Rot für Regionalkunst: Schlange in Ludwigsburg

„Mir brauchet koi Kunscht, mir brauchet Grumbiera“ hieß die Losung, mit der die Schwaben 1827 den Ankauf einer Gemäldesammlung durch den württembergischen König verhinderten. Seitdem haben sie ihren Stempel weg: Kunstbanausen, denen der materielle Wohlstand (Grumbiera / Kartoffeln) wichtiger ist, als eine künstlerisch gestaltete Umgebung.

Am 18. Dezember hat der Stuttgarter Stadtrat ganz in dieser Tradition gehandelt: Die von einer schweren Haushaltskrise gebeutelte Landeshauptstadt hat den Austritt aus der KulturRegion Stuttgart ab 2011 beschlossen, um den Jahresbeitrag von 48.000 € zu sparen. Damit ist die Existenz dieser Vereinigung gefährdet, denn keineswegs alle Städte und Gemeinden in der Region sind Mitglied in der KulturRegion. Im Landkreis Ludwigsburg sind es nur Vaihingen, Marbach, Ludwigsburg, Kornwestheim, Remseck, Ditzingen und Gerlingen – also sieben von 39 Kommunen. Ohne die Landeshauptstadt dürfte die Einrichtung keine große Zukunft haben.

Die KulturRegion Stuttgart ist den Ludwigsburgern ein Begriff: Als erste Aktion der neuen Vereinigung fand 1992 die „Platzverführung“ statt. Ein Skulpturenpfad rund um Stuttgart brachte damals die Schlange auf die Sternkreuzung. Heute ist die 21 Meter über der Kreuzung schwebende Plastik von Auke de Vries ein Wahrzeichen von Ludwigsburg. Die Aufgabe an die Künstler lautete vor 17 Jahren: „Geben Sie Standorten eine neue Identität – oder definieren Sie undefinierten Raum neu“. In Ludwigsburg ist dies wunderbar gelungen – kaum einer spricht von der Sternkreuzung, viele aber von „der Schlange“. Zwei Drittel des Geldes für die regionale Kunst wurde übrigens durch Sponsoren erbracht. Das gute schwäbische Misstrauen gegen zu viel öffentliche Geldausgabe funktionierte also auch in der KulturRegion. Diesen Zug der KulturRegion zu stärken anstatt aus ihr auszutreten, wäre der bessere Weg.

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